
Die Qualität eines Fusionsprozesses kann durch den Quotienten Q aus durch
Fusion erzeugter Wärme durch die zur Aufrechterhaltung der hohen Temperatur
zugeführte Wärme betrachtet werden. Bis Ende des vergangenen Jahrhunderts war Q
= 0,5 erreicht. Es wurde also doppelt soviel Energie verbraucht, als gewonnen
werden konnte. Seit 2005 wird in Cadarache (Frankreich) im Rahmen des 1988 von
von USA, Russland, Japan, China, Südkorea und Euratom begonnenen Projekts
ITER (International Thermo-nuclear Experimental Reactor) ein Tokamak-Reaktor
für 0,5 GW und 500 s Impulslänge aufgebaut. Das Ziel ist, einen Wert von Q = 10
zu erreichen. Über zehn Milliarden Euro sind für den Bau veranschlagt. Die
noch aktuelle Zielstellung
vom Juni 2009 ist, dass der Betrieb 2018 mit Wasserstoff
aufgenommen wird und 2026 eine Deuterium-Tritium-Reaktion realisiert werden
kann.


Obige Abbildung zeigt einen Schnitt des Plasmarings. Die supraleitenden Spulen müssen auf die
Temperatur von 4 K abgekühlt werden und befinden sich deshalb in einem mit
flüssigen Helium gefüllten Kryostat. Betrachten wir Zeitplan und Kosten für ITER, wird klar,
dass in den nächsten zwanzig Jahren kaum mit einer erheblichen
technischen Energiegewinnung aus der Kernfusion zu rechnen ist. Unbestritten ist
jedoch, dass Kernfusion in der Sonne die Grundlage fast aller Energiegewinnung
auf der Erde darstellt, und die Menschheit mit dem Projekt ITER Fortschritte
bei der technischen Realisierung einer direkten Energiegewinnung durch
Fusionsanlagen auf der Erde macht .
Neben
dem Tokamak-Reaktor wird der
Stellarator weiterentwickelt. Der Name dieses erstmalig 1951 im
Princeton-Labor für Plasmaphysik aufgebauten Fusionskonzeptes soll an die
Kernfusion als Energiequelle der Sterne (lat. stella, Stern) erinnern.
Tokamaks stellen einen Teil des einschließenden magnetischen Feldes durch einen
starken, im Plasma fließenden elektrischen Strom her, siehe oben. Stellaratoren
dagegen schließen das Plasma mit einem ausschließlich von äußeren Spulen
erzeugten Magnetfeld ein und sind deshalb für einen Dauerbetrieb besser
geeignet. Der Stellarator
Wendelstein 7-X, der seit 2005 bis voraussichtlich 2014 im Teilinstitut
Greifswald des Instituts für Plasmaphysik der MPG entsteht, soll ein optimiertes
Magnetfeld testen, das die Schwierigkeiten früherer Stellarator-Konzepte
überwindet. Er soll demonstrieren, dass auf der Basis des Stellarators ein
kontinuierlich arbeitendes Kraftwerk möglich ist. Die rechts stehende Abbildung
zeigt
Spulenanordung und Plasma von Wendelstein 7-X.
Im Gegensatz zum
magnetischen Einschluss des Fusionsplasmas bei Takamak oder Stellarator wird bei
der Trägheitsfusion der Deuterium-Tritium-Brennstoff durch extrem
schnelle Energiezufuhr für einige Nanosekunden verdichtet und aufgeheizt.
Während der kurzen Zeit sorgt die Massenträgheit für den Zusammenhalt des
Plasmas.
Deshalb bezeichnet man diese gewöhnlich durch Laser initiierte Reaktion
als Trägheitsfusion.
Auch die Wasserstoffbombe funktioniert nach diesem Prinzip.
Forschung auf dem Gebiet der Trägheitsfusion wird deshalb nicht nur mit dem Ziel
der Energiegewinnung durchgeführt. Die Forschungseinrichtungen genießen
Unterstützung militärischer Budgeds.
Die National Ignition Facility (NIF) ist
von 1997 bis 2009 am Lawrence Livermore National
Laboratory in Livermore, Kalifornien, aufgebaut worden. Ein
500-Terawatt-Lichtblitz soll die mit einigen Milligramm Fusionsbrennstoff
gefüllte Kugel von verschiedenen Richtungen innerhalb weniger Picosekunden
erreichen und die Fusion auslösen. Das Plasma kollabiert mit einer
Geschwindigkeit von 1,5 Millionen km/h und soll eine Temperatur von 100
Millionen Grad Celsius erreichen. Quelle des Blitzes sind 192 Laser. Sie
erzeugen 2009 schon eine Gesamtenergie von mehr als 1 MJ und könnten 2010 durch
weitere Steigerung der Energie eine Zündung der Kernfusion in den kleinen Kapsel
ermöglichen, wobei die erzeugte Fusionsenergie höher als die bereit gestellte
Laserenergie sein soll.
Ein ähnlich großes Forschungsprojekt zur Trägheitsfusion, das ebenfalls
teilweise militärischen Zwecken dient, ist in Le Barp in der Nähe von Bordeaux
in Frankreich 2002 in Angriff genommen worden und soll 2012 komplett sein. Es
heißt Laser Mégajoule (LMJ) und
wird vom Commissariat à l'énergie
atomique (CEA) betrieben. Sowohl vom NIF als auch von LMJ sind in den nächsten Jahren Aussagen über die
Effizienz von Energieerzeugung durch Trägheitsfusion zu erwarten.